Österreich: Murradweg

Klassiker in der Steiermark

Radler, die der Mur entlang fahren, erleben die Alpen von ihrer lieblichen Seite: Vor dem Lenker ziehen grüne Wiesen vorüber, dahinter ragen gezackte Berge auf. Der auf österreicher Gemarkung auf etwas mehr als 350 Kilometern verlaufende Radweg ist gut ausgebaut. Er führt in sehenswerte Städte, unter denen Graz hervorsticht. Am Schluss der Mehrtagestour läuft das Oststeirische Hügelland aus, der Horizont weitet sich.

072-076-Murradweg

Text/Bilder: Thorsten Brönner

Wenige Meter vor mir senkt ein Bulle seinen Kopf. Das massige Tier kommt langsam näher. Ich stehe wie angewurzelt da. Mein Herz schlägt schneller, die Radschuhe versinken im aufgeweichten Boden. Doch ich bin dem Bullen egal. Ihn interessiert auch nicht die Landschaft ringsum, die Felsen, die Gipfel. Er stapft in das eisige Wasser des Bergbachs, hält auf eine Herde Kühe zu, die am anderen Ufer friedlich grast. »Puh«.

Der Wanderweg, den ich entlang spaziere, erschließt das östliche Ende des Nationalparks Hohe Tauern. Das mit einer Fläche von 1.856 Quadratkilometern größte Schutzgebiet Österreichs besteht aus drei räumlich voneinander getrennten Teilen. 266 Berggipfel übertreffen die 3.000er-Marke, ihr König ist der Großglockner, der 3.798 Meter aufragt. Das Reservat ist die Geburtsstätte der Flüsse Isel, Möll, Salzach und Mur. Letzterer möchte ich folgen. Biker strampeln hinauf bis zu der mit Holzschindeln verkleideten Sticklerhütte auf 1.750 Metern; ab da geht es zu Fuß zur Quelle. Nach einer herzhaften Jause schickt mich das erste der grünen Routenschilder auf den Weg. Das Ziel ist 352 Kilometer entfernt in Bad Radkersburg.

Genussregion Lungau

Eilig strömt das Wasser durch das langsam breiter werdende Hochtal. Die Siedlungen Muhr, St. Michael und St. Margarethen, drücken sich an die Bergflanken. Sie liegen malerisch im Salzburger Lungau. Ich bin im gleichnamigen UNESCO-Biosphärenpark, der zudem als Genussregion bekannt ist. Sein Aushängeschild sind die Eachtlinge, eine spezielle Kartoffelart. Das Tal liegt in 1.000 Metern Höhe, eingeklemmt zwischen den Schladminger Tauern im Norden und den Gurktaler Alpen im Süden. Die Nächte hier sind klar und kalt – ideal für das Wachstum der Eachtlinge.

Beschwingt trete ich in die Pedale, aber nur ein bisschen, denn es rollt sich auf dem abschüssigen Weg wie von selbst. Richtung Osten läuft die Route in Sichtweite der Mur durch schmale Wiesen. Der Fahrtwind streicht angenehm über die Haut. Das Auge erspäht verstreute Heuschober und Bauernhäuser. Angler sitzen, mit Respektabstand zum Nachbarn, um einen See. Seine Oberfläche ist glatt wie ein Handydisplay. Die Farben so satt, wie wenn jemand an den Reglern eines Fotoprogramms herumgespielt hat: Oben der tiefblaue Himmel mit den weißen Wolken. In der Bildmitte ragen die bewaldeten Gebirgszüge auf. Und unten krönt die Spiegelung alles.

Ich erreiche den 18-Loch-Golfplatz Lungau. Dahinter taucht linker Hand das Schloss Moosham auf. Der wehrhafte Herrensitz fiel im Jahr 1285 an die Erzbischöfe von Salzburg und ist heute ein Museum. Über eine Brücke gelangt der staunende Besucher in die Säle. Dort stehen historische Wagen und Möbel, an den Wänden hängen kostbare Tapeten und Gemälde. Der Keller dokumentiert das dunkelste Kapitel der Mauern – die Hexenprozesse, die im 17. und 18. Jahrhundert auf Schloss Moosham stattfanden.

Die Mur knickt hinter der Marktgemeinde Tamsweg Richtung Süden ab. Sie legt an Geschwindigkeit zu, rauscht durch ein schmales Durchbruchstal. Den Ausgang bewacht die Burg Finstergrün. Hier heißt es Abschied nehmen vom Salzburger Land. Die Räder rollen in die Steiermark hinein.


GPS-Daten  |  Länge 356 km  |  Webcode #3394  |  GPX Track herunterladen


Die vollständige Tourenbeschreibung lesen Sie in der Ausgabe 4/2016 des Bike&Travel Magazins.

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