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EDITORIAL

Bereit für neue Eindrücke

Wahre Abenteuer passieren draußen auf der Straße, wenn die Reifen über den Asphalt schnurren, imposante Landschaften vorbeiziehen, einem der Fahrtwind um die Nase weht und man inspirierende Menschen trifft, an die man anschließend gerne zurückdenkt. Unser Horizont erweitert sich dann am schnellsten, wenn wir an der frischen Luft sind und die Sinne für neue Eindrücke öffnen.

 

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In dieser Ausgabe geht es um Regionen, die sich für eine Erkundung auf zwei Rädern hervorragend eignen. Einige, wie das Altmühltal, das Fichtelgebirge oder das Ferienland Donau-Ries sind mit kurzen Anreisen verbunden, andere – wie Colorado –liefern neben imposanten Landschaften auch Gefühle von schier endlosen Weiten und der Leichtigkeit, ganz weit weg vom Alltag zu sein.

Häufig braucht es eine gewisse Eingewöhnungszeit an das Leben auf dem Fahrrad: Oft schmerzt irgendwann der Po, ein Knie knirscht oder eineWade zwickt. Doch imVergleich zu dem Gefühl völliger Ungebundenheit wird das alles schnell zur Nebensache. Neben demWunsch nach neuen Eindrücken, Bewegung und einem einfachen Leben verbindet Radreisende die Überzeugung, dass diese simple Form des Reisens, ganz nah am Geschehen,mit eigener Körperkraft, die Routine des Alltags am besten abwirft. Als ich 2017 in Marokko auf dem Mountainbike unterwegs war, zog mich das magische Licht der Sahara sofort in seinen Bann, das den Dünen vor allem in den frühen Morgen- und späten Abendstunden verschiedenfarbige Nuancen verleiht. Im Hohen Atlas beeindruckte neben gigantischen Bergkulissen die freundliche Art der Marokkaner. Einladungen auf Minztees mit reichlich Zucker, häufig bei marokkanischen Familien zuhause, zeugten von einer überragenden Gastfreundschaft. Und wenn in Marrakesch die Händler ihre Eselkarren durch die engen, verwinkelten Gassen schieben, gerät die Welt zu einer Illustration des Mittelalters. Auch das macht Reisen für mich aus: Die Dinge einfach mal auf mich zukommen zu lassen. In Essaouira, der Stadt des Windes, setzte ich mich in ein Café und genoss den Blick auf den Atlantik – mit der Vorstellung, nach Kanada zu segeln und einfach immer weiter zu radeln, bis an den Südzipfel Patagoniens. Mit viel gezuckertem Minztee klappt’s bestimmt.

Ihre Katharina Baus | Redakteurin Bike&Travel