Rhein hoch, Berge runter!

Mit dem Rad durch die Gebirge am Hochrhein

Der Hochrhein trennt nicht nur Deutschland von der Schweiz, sondern auch den Schwarzwald vom Schweizer Jura. Ein Netz einsamer Traumstraßen führt vom Rheintal aus auf die Höhenzüge der beiden Gebirge. Wer Berge liebt, findet dort ein ideales Reiserevier, das Patrick Kunkel hier vorstellt.

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Text und Fotos: Patrick Kunkel

Enge Linkskurve, weite Rechtskurve. Und dann eine dunkle Wand am Horizont. Jetzt aber in die Pedale treten! Denn wo sonst ein weiter Blick ins Land und ein überwältigendes Alpenpanorama Radfahrer vom Lenken auf dem ohnehin schon schmalen Sträßchen ablenken, da wallen nun gewaltige Wolkenberge über die Hügelkämme. Letzte Strahlen goldenen Lichts lassen die Wiesen einmal noch leuchten, dann klatschen die ersten Regentropfen aufs Radtrikot. Schnell, schnell! »Schau«, ruft Sven, mein Reisepartner: »Dort, eine Schutzhütte!« Glück gehabt! Dann bricht das Hotzenwälder Sommerunwetter los.

Ja, Leid und Genuss liegen hier oben, auf den Höhen des Hotzenwalds, einem besonders einsamen Landstrich im südlichsten Südschwarzwald, eng beieinander. Erst Sonne satt, dann heftiger Regen. Erst ein zünftiges Schwarzwaldvesper, dann ein Hungerast. Erst tiefenentspannt und in großen Bögen bergauf dem sanften Rhythmus der Hügel folgen, dann eine steile Rampe erwischen, wo selbst Wiegetritt nicht mehr weiterhilft. Jedenfalls nicht bei unseren gut beladenen Reiserennrädern, mit denen wir unsere siebentägige Etappenreise durch die abgelegenen Gegenden rund um den Hochrhein absolvieren.

Unser Plan: Erst von Rheinfelden in der Schweiz dem Rhein flussaufwärts folgen bis nach Waldshut auf deutscher Seite. Dann den Hotzenwald durchstreifen, schließlich zurück nach Rheinfelden und zuletzt eine Schleife durch den Schweizer Jura drehen – 311 Kilometer, 6.700 Höhenmeter! »Viele Berge!«, frohlockt Sven: »Mein Lieblingsterrain, auch mit Gepäcktaschen.«

Liebliche Wellen und steile Rampen

Die Rheinroute hatten wir uns am ersten Tag zum Einrollen gegönnt, der Rhein rauscht hier noch schnell wie ein Gebirgsfluss durch sein enges Bett, das Wasser leuchtet türkisfarben und die Fassaden der mittelalterlichen Städte am Hochrhein wie Rheinfelden oder Laufenburg ragen eng zusammengedrängt aus dem Strom. Flussaufwärts bis Waldshut sind kaum Höhenmeter zu bewältigen, ein ruhiger Auftakt.

Allerdings änderte sich dies am zweiten Tag unserer Tour abrupt: Der Hotzenwald liegt abgelegen und einsam ganz im Süden des Schwarzwalds, kleine Dörfer und Weiler sind in der hügeligen Landschaft verstreut, auf den Straßen ist kaum etwas los. Von etwas über 1.000 Meter Höhe fällt das Terrain terrassenförmig Richtung Hochrhein und Schweizer Grenze hin ab – fast so, wie das gigantische Walmdach eines Schwarzwaldhauses. Und wer wiederum dieses Dach vom Rhein aus erklimmen will, muss schwere Muskelarbeit leisten.

Dafür wartet oben reichlich Kompensation für heiß gefahrene Fußsohlen, brennende Waden und ziehende Oberschenkel: »An guten Tagen kannst Du die ganze Alpenkette vom Säntis bis zum Montblanc sehen«, schwärmt Axel Dietrich, Architekt aus Dachsberg, einer kleinen Ortschaft mitten im Hotzenwald, »ich liebe diesen Weitblick, er ist jedes Mal eine Belohnung, wenn man mit dem Rad vom Rhein aus auf die Höhe fährt.« Am liebsten macht er das mit dem Mountainbike auf schmalen Pfaden, aber der Hotzenwald verfügt auch über ein dicht gewebtes Netz verkehrsarmer Straßen, die manchmal so schmal sind, dass kein Platz mehr für einen Mittelstreifen darauf ist. Autos verirren sich kaum hier hinauf, der Hotzenwald sei, so wirbt die örtliche Tourismusgesellschaft, der perfekte Ort für »Ruheforscher«.

Die vollständige Tourenbeschreibung lesen Sie in der Ausgabe 1/2016 des Bike&Travel Magazins

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